PRESSESPIEGEL

Frankfurter Rundschau vom 28.11.2016

BERGEN-ENKHEIM  Zwei Jahre weiter basteln

Von Clemens Dörrenberg

Frankfurt – 28.11.2016

Eine Stiftergemeinschaft finanziert das Ursprung-Handwerksprojekt für Jugendliche. Motorische Fähigkeiten sollen nicht weiter verkümmern.

Die Finanzierung des Handwerk-Projekts „Ursprung“ für Jugendliche ist für weitere zwei Jahre gesichert. „Das ist eine super Sache“, sagt Initiator Felix Titzka. Ein Zusammenschluss mehrerer Stiftungen steuert das Geld bei, das haben die Vertreter kürzlich in der Handwerkskammer Frankfurt verkündet. Es soll auch eine Kooperation mit dem Projekt „Hand in Hand“ von der Handwerkskammer geben.

Titzka hat das Ursprungs-Projekt vor drei Jahren in einem ehemaligen Supermarkt am Atzelberg gestartet, 2015 ist er mit der Werkstatt in eine ehemalige Lagerhalle an der Borsigallee umgezogen.Gründe für die Unterstützung gebe es genug, findet er: „Handwerkliche und motorische Fähigkeiten gehen immer mehr verloren.“ Wenn Achtklässler von der Friedrich-Ebert-Gesamtschule und Schüler aus den Intea-Intensiv-Klassen der Wilhelm-Merton- Berufsschule erstmals in seine Werkstatt kämen, könnten sie häufig kaum den Platten an einem Fahrrad reparieren.

Das ändert sich schnell. Titzka beginnt mit einfachen Arbeitsaufträgen. So müssen die Schüler zu Beginn ein Holzstück mit ihrem Namen darauf fertigen, schleifen, lackieren und beschriften. Zwei bis drei Stunden benötigten sie dafür und hätten dann ein Erfolgserlebnis. „Sie sind stolz und wissen, das habe ich gemacht“, sagt Titzka. So vermeide er, dass seine Schützlinge sich überfordert fühlten.

„Ein schnelles Ergebnis hilft“, ergänzt Geschäftspartner Michael Wahl. Zuletzt haben die Jugendlichen der Intea-Klassen die Ursprungs-Werkstatt im Hinterhof renoviert. Sie haben Heizkörper lackiert, Decken und Wände gestrichen und den Boden neu verlegt. „Sie haben richtig rein gehauen und sich körperlich verausgabt“, sagt Titzka.

Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF-Bank-Stiftung lobt das Engagement Titzkas bei den Jugendlichen der Intensivklassen, deren primäres Ziel die Vermittlung grundlegender Deutschkenntnisse zum Übergang in eine Berufsausbildung ist. Mumme findet wichtig, „Seiteneinsteiger, neben sprachlicher Förderung, auf einen Weg beruflicher Orientierung zu bringen“. Es gebe immer weniger Möglichkeiten für Jugendliche mit Handwerk in Berührung zu kommen.

Das versucht das eingangs erwähnte Stiftungsnetzwerk zu ändern, indem es an Titzkas Projekt anknüpft. Beispielsweise durch das „Tellus“-Programm der Frankfurter Crespo-Foundation. Tandems aus Studierenden der Lehrämter und der Sozialarbeit betreuen dabei Schüler der Intea-Klassen in ihrem Schulalltag und begleiten sie auch in die Werkstatt von Felix Titzka.

OFFENER NACHMITTAG GEPLANT„Bei der intensiven Betreuung werden berufliche Perspektiven erarbeitet“, sagt Aslak Petersen, Geschäftsführer der Crespo-Foundation. Ab 1. Dezember wird es daneben mit „Werkraum+“, jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr einen „offenen Werkstattnachmittag“ geben, an dem Mädchen und Jungen ab zwölf Jahren vorbeikommen und unter Anleitung Fahrräder reparieren und Seifenkisten, Lautsprecher oder Möbelstücke aus alten Materialien bauen können. Die Werkstatt ist im Hinterhof der Borsigallee 17H.

 

 

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FRANKFURTER NEUE PRESSE FREITAG, 25.11.2016, von Andreas Haupt

Am Anfang ist der Ursprung

Seckbach. Das erste, was die Jugendlichen machen, wenn sie zu Felix Titzka in die Werkstatt von „Ursprung“ kommen, ist: Ein ei- genes Namensschild bauen. „Meist sind es einfache Latten, etwa von alten Paletten, die sie zurechtsägen, feilen, schleifen und la- ckieren. Zwei, drei Stunden sind sie meist damit beschäftigt.“ Vie- le halten dabei zum ersten Mal Säge und Hammer in der Hand, „manche Achtklässler haben noch nie einen Fahrradreifen ge- flickt“, sagt Titzka – und doch sind sie hier meist konzentriert bei der Arbeit.

Von Titzka und seinem Freund Michael Wolf im Mai 2013 gegrün- det, war die gemeinnützige GmbH „Ursprung“ zunächst im frühe- ren Supermarkt am Atzelbergplatz zuhause. Seit Juni 2015 hat sie eigene Räume in einen Hinterhof in der Borsigallee 17. Inzwi- schen hat Titzka in der dortigen Jugendwerkstatt „volles Pro- gramm“: Von Montag bis Freitag kommen Schüler, die er ans handwerkliche Arbeiten heranführt. Um ihnen zu zeigen, wie schön es ist, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen – und ihnen die Augen für neue berufliche Perspektiven zu öffnen.

Werkstatt als Pilotprojekt

Was als Idee und ohne Geld begann, steht nun zumindest für die kommenden zwei Jahre auf sicheren Füßen. Denn eine Stiftungs- allianz rund um die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main fi- nanziert die Arbeit von „Ursprung“ mit 86 000 Euro im Jahr. Und nicht nur das: Um die Werkstatt in der Borsigallee herum hat sie das Pilotprojekts „Hand-in-Hand“ gestrickt.

Zunächst geht es bei „Hand-in-Hand“ um genau das, was auch „Ursprung“ macht: Dass Schüler, die bisher nie etwas damit zu tun hatten, „mit dem Handwerk in Berührung kommen“, so Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF-Bank-Stiftung. „Früher hatten die Familien einen Schuppen im Garten oder eine Werkbank im Keller. In der Nachbarschaft waren kleine Handwerksbetriebe.“ All das gebe es kaum noch.

Zu entdecken, dass sie einen Stuhl oder Schrank bauen, ihr Fahr- rad selbst reparieren oder an Autos und Motorrädern herum schrauben können, sei für Jugendliche nach wie vor spannend, sagt BHF-Bank-Stiftungsvorstand Dietmar Schmid. Vor allem auch für die vielen jugendlichen Flüchtlinge, die nach Deutsch- land kamen und nun in sogenannten Intea-Klassen auch an Frankfurts Berufsschulen fit für eine Berufsausbildung und den deutschen Arbeitsmarkt gemacht werden. „Aber damit das klappt, wird noch viel zu wenig getan.“

Immer dienstags sind neun Achtklässler aus der „Technik und Handwerk“-AG der Seckbacher Friedrich-Ebert-Schule in Titzkas Werkstatt. An den anderen Werktagen kommen Intea-Schüler der Wilhelm-Merton-Berufsschule aus Bornheim. Mit neun der 50 Frankfurter Intea-Klassen ist die Schule ein Schwerpunkt bei der Integration junger Flüchtlinge ins deutsche Bildungssystem – und alle 180 Schüler nehmen ein halbes Jahr lang an „Hand-in-Hand“ teil.

Schnelle Erfolge

Nicht immer sei die Arbeit mit den Jugendlichen einfach, sagt Titzka. „Sie können sich schwer konzentrieren. Sie suchten schnelle Erfolge, dann muss die nächste Aufgabe, das nächste ,Le- vel‘ kommen. So wie in einem Videospiel.“ Ein Namensschild zu bauen, mit vielen kleinen Tätigkeiten, sei da genau das richtige Einstiegsprojekt. Danach wird die Werkstatt saniert, die Jugendli- chen haben Mauern ausgebessert, Wände und Decken verputzt und gestrichen. Oder sie schrauben an alten Fahr- und Motorrä- dern oder Autos herum, arbeiten mit Holz und Metall.

„Hand-in-Hand“ geht aber über die wöchentlichen Besuche in der Borsigallee hinaus, sagt Aslak Petersen, Geschäftsführer der Cres- po Foundation. Beim „Tellus“-Projekt arbeiten Lehramts- und So- zialarbeitsstudenten von Goethe-Universität und Fachhochschule zu zweit mit den Bornheimer Intea-Schülern. Sie helfen im Unter- richt, bei Bewerbungen, fahren gemeinsam ins Schulungszentrum der Handwerkskammer in Weiterstadt. Und zusammen mit Felix Titzka erkunden sie, welche Stärken und Schwächen die Schüler haben – und welcher Beruf einmal der richtige für sie sein könnte.

Schüler, die gut und engagiert sind, betreut „Hand-in-Hand“ auch nach einem Jahr weiter. Etwa durch Ausbildungsberater der Handwerkskammer, sagt Christof Riess. „Durch unsere Kontakte können wir aber auch Praktika oder Ausbildungsstellen vermit- teln, etwa in unseren Mitgliedsbetrieben.“

Ein Pilotprojekt, von dessen Erfolg Bert Rauscher, Vorsitzender der Friederichs-Stiftung, überzeugt ist. „Ein Prinzip von Stif- tungsarbeit ist, Dinge anzustoßen – und von einem kleinen Ur- sprung aus etwas zu verbreiten.“ So soll auch „Hand-in-Hand“ eine Blaupause für andere Schulen, ja für die Landes- und Bun- despolitik sein. Nicht nur bei der Integration der vielen jungen Flüchtlinge. Sondern allgemein dabei, die Handwerksmeister von morgen und übermorgen zu finden und auszubilden.

Andreas Haupt

 

 

PRESSEMELDUNG

24.11.2016

Kann ich Handwerk?
Modellprojekt „Hand-in-Hand“ vorgestellt

Das von einer Stiftungsallianz gemeinsam mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main geförderte Modellprojekt „Hand-in-Hand“ der Lehrwerkstatt URSPRUNG weist Schülern und Neuankömmlingen neue Wege in den Handwerksberuf. Bei einer Pressekonferenz wurde das Projekt nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ziel von „Hand in Hand“ ist es, Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu geben, ihre handwerklichen Fertigkeiten zu entdecken und ihre Neigung für einen Handwerksberuf zu überprüfen. Dabei ist die Idee, dass die Schüler den Umgang mit den verschiedenen Materialien und die Techniken verschiedener Handwerksberufe unter fachkundiger Begleitung erproben, um einzuschätzen zu können, ob und welcher Handwerksberuf für sie in Frage kommt.

URSPRUNG ist eine gemeinnützige Initiative von Felix Titzka und Michael Wahl, die im November 2013 in den Räumen eines ehemaligen Supermarktes begonnen hat, Jugendlichen Möglichkeiten zum Handwerken zu geben, um ihnen – neben dem Spaß und dem Interesse – auch berufliche Perspektiven zu vermitteln. Besonderen Wert legt Ursprung darauf, gebrauchte Produkte und Materialien zu reparieren bzw. zu recyceln. Seit 2016 hat Ursprung neue Werkstatträume in der Borsigallee bezogen.

Das von der BHF-BANK-Stiftung mit ihren Stiftungspartnern konzipierte Projekt „Hand-in-Hand“ sieht dafür ein mehrstufiges Angebot einer auf einander abgestimmten Berufsorientierung in Kooperation mit Schulen und der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main vor. Begleitend bewerten die Lehrkräfte der beteiligten Schulen und die Fachkräfte bei URSPRUNG die Eignung der Schüler in einem Profilbogen.

Die Kurse bei URSPRUNG wenden sich an Schüler aus den InteA-Klassen in der Wilhelm-Merton-Schule sowie aus der 9. Klassenstufe der Friedrich-Ebert-Gesamtschule, die zunächst in der ersten Stufe im Rahmen des Regelunterrichts an einem Ausbildungssemester und in der zweiten Stufe bei Eignung und Interesse über zwei weitere Semestern an einer AG, dem Ausbildungsparcours teilnehmen dürfen. Die Kurse werden von pensionierten Handwerksmeistern sowie von Studenten aus dem Tellos-Programm der Crespo Foundation unterstützt.

In der zweiten Stufe des Projekts, also während der AG-Phase werden in Partnerschaft mit Handwerksbetrieben praktische Einblicke in die Abläufe eines Handwerksbetriebes gegeben.

Zudem sollen den Schülern die Teilnahme an einer Praktikumsbörse bzw. Ausbildungsmesse und Vorstellungsgespräche bei Handwerksbetrieben ermöglicht werden,
um sie in ein Praktikum zu vermitteln. Dabei kann den interessierten Betrieben ein Zwischenbericht auf Grundlage der erstellten Profilbögen zur Verfügung gestellt werden.

Nach erfolgreichem Abschluss der zweisemestrigen AG soll den Schülern schließlich ein mehrtägiger Workshop in einem der drei Berufsbildungs- und Technologiezentren der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main angeboten werden.

Im Ergebnis erhalten die Schüler am Ende ihrer erfolgreichen Teilnahme an dem Projekt „Hand in Hand“ ein besonderes Eignungszeugnis, ein „Hand-in-Hand-Zertifikat“, in dem die Bewertung aus dem Schulunterricht, aus URSPRUNG, aus dem Praktikum und dem Ausbildungszentrum einfließen. Diese Bewertung bezieht sich nicht nur auf schulische Leistungen und erworbene Sprachkenntnisse, sondern auch auf die handwerkliche Eignung, auf die Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit in einem handwerklichen Betrieb.

Je nach Eignung könnten sich sodann drei Optionen für die Schüler ergeben: Im besten Fall kann unmittelbar eine Ausbildungsstelle angetreten werden. Alternativ kommt die Aufnahme in das Programm „Einstiegsqualifizierung Jugendlicher“ (EQJ); also die Durchführung eines geförderten Langzeitpraktikums oder einer Aufnahme in das Förderungsprogramm des Landes Hessen „Wirtschaft integriert“, also die Durchführung eines weiteren Ausbildungsprogrammes mit Sprachförderung in Betracht.

Dietmar Schmid, Vorsitzender des Vorstands der BHF-BANK-Stiftung, sagte: „Die BHF-BANK-Stiftung konnte sich von der qualifizierten und engagierten Arbeit der Lehrwerkstatt „URSPRUNG“ überzeugen. Wir sind aus zwei Gründen initiativ geworden. Zum einen benötigen gerade Seiteneinsteiger, wozu viele Geflüchtete zählen, tatkräftige Hilfe bei der beruflichen Orientierung. Zum anderen haben Jugendliche in unserer Zeit immer seltener Gelegenheit, Werkräume zu finden, in denen sie etwas reparieren oder herstellen können. Deshalb sind wir froh, dass die Lehrwerkstatt „URSPRUNG“ auch das Programm „Werkraum+“ anbietet, bei dem Schüler aus ganz Frankfurt an offenen Werkstattnachmittagen ihr Fahrrad reparieren oder eine Lautsprecherbox bauen können.“

Dr. Aslak Petersen, Geschäftsführer der Crespo Foundation, sagte: „Die Crespo Foundation unterstützt Menschen, die in Schule und Beruf vorankommen wollen, aber durch soziale, finanzielle oder institutionelle Hürden aufgehalten werden.

Mit dem Projekt TELLUS|miteinander lehren – voneinander lernen möchte die Stiftung einen Beitrag zur Integration junger Menschen mit Migrationsgeschichte, insbesondere Flüchtlingen leisten. Schülerinnen und Schüler der InteA-Klassen erhalten durch das Projekt Hilfe im Unterricht aber auch Unterstützung und Begleitung außerhalb der Schule, etwa bei gemeinsamen Aktivitäten oder im Bereich der beruflichen Orientierung.

Das Projekt „Hand-in-Hand“ bildet aus Sicht der Stiftung eine wichtige Schnittstelle zwischen Schule und beruflicher Orientierung, indem es den Jugendlichen Einblicke in verschiedene Handwerksberufe gewährt und ihnen die Chance gibt, ihr Interesse und ihre Fähigkeiten für diesen Bereich zu entdecken und weiter auszubauen.

Die Verzahnung von Hand-in-Hand und TELLUS ist für uns daher ein konsequenter Schritt und wir freuen uns, uns gemeinsam in diesem wichtigen und anspruchsvollen Feld zu engagieren.“

Dr. Christof Riess, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, sagte: „Schulabgänger haben grundsätzlich die Möglichkeit, aus über 130 Berufen im Rahmen einer Dualen Ausbildung zu wählen. Die Karriereoptionen im Handwerk sind exzellent: Meisterbrief, Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung oder Fortbildung zum Internationalen Meister. Die Duale Bildung im Handwerk ist eine Alternative zur akademischen Ausbildung.“ Dr. Riess verwies auf die bereits erfolgreich durchgeführten und aktuellen Berufsorientierungsprojekte für Flüchtlinge, die hessenweit in den Ausbildungszentren des Handwerks angeboten werden. „Die Duale Bildung ist eine sehr gute Basis in Sachen Integration, denn durch das Angebot in Berufsschule, Unternehmen und überbetrieblicher Lehrlingsunterweisung finden Auszubildenden eine einzigartige Kombination aus theoretischem und praktischem Unterricht sowie Lernen im Team vor.

Daniela Kalb-Gloger, Abteilungsleiterin InteA/BzB/PuSch und Abendrealschule,Wilhelm-Merton-Schule Frankfurt am Main, sagte:
„Die Kooperation mit URSPRUNG guG ermöglicht den jeweiligen InteA-Klassen im zweiten Semester jeweils für ein en halbes Jahr, eine berufliche Orientierung im Bereich handwerkliche Grundfertigkeiten.
Das Projekt bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Talente in sprachunabhängigen Aufgabenstellungen, die ihnen z.T. schon aus ihren Heimatländern bekannt sind, zu zeigen. Die jungen Menschen, die teilweise über wenig schulische Vorbildung verfügen, haben im Rahmen von InteA nur zwei Jahre Zeit, ihre schulischen und sprachlichen Defizite aufzuarbeiten und einen Hauptschulabschluss zu machen. Dies ist eine große Herausforderung und nicht alle Schülerinnen und Schüler erreichen dieses Ziel. Insbesondere der qualifizierte Hauptschulabschluss, der neben dem Erwerb von Deutsch als Zweitsprache auch noch das Erlernen von Englisch als weitere, oftmals unbekannte Fremdsprache voraussetzt, ist für viele unserer Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund nicht in der Kürze der Zeit zu schaffen. Diese jungen Menschen verfügen aber über viele Talente, die oftmals im handwerklichen Bereich liegen. Diese Talente können im regulären Unterricht im Rahmen der InteA-Stundentafel nicht gezeigt und erkannt werden. Das Projekt URSPRUNG guG ermöglicht einen Rahmen, in dem die Schülerinnen und Schüler sprachunabhängig ihr Geschick und ihre Talente erproben können und mit ihren individuellen Fähigkeiten greifbare Handlungsprodukte schaffen. Dies birgt neben einem hohen Motivationspotenzial auch eine wichtige Orientierungshilfe für die Berufswegeplanung und die Beratung in den Fördergesprächen hinsichtlich einer realistischen Berufswahl. Oftmals haben die Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer eignen kulturellen und gesellschaftlichen Erfahrungen in den Heimatländern Vorurteile gegenüber dem deutschen Ausbildungssystem. Sie empfinden nur die vollzeitschulische Bildung als gesellschaftlich anerkannt und erstrebenswert. Durch die positiven Erfahrungen im Projekt und die schulische Aufarbeitung dieser Vorurteile, indem dass die hohe Wertschätzung des dualen Ausbildungssytems erklärt und diskutiert wird, eröffnen sich für die jungen Menschen neue berufliche Perspektiven, die für sie und ihre Lernvoraussetzungen und Talente realistisch sind.“

Werner Goebl, Vorstand der Stiftung ProRegion: „Unsere Stiftung fördert zahlreiche Projekte zur Berufsorientierung an Schulen und zur beruflichen Integration von Geflüchteten in der Region Rhein-Main. Wir wollen damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen leisten. Integration und Teilhabe funktionieren dann gut, wenn Menschen einer Existenz sichernden Beschäftigung nachgehen können. Das Projekt „Hand in Hand“ leistet hierfür die Grundlagenarbeit, die wir gerne aus Stiftungsmitteln unterstützen.“
Zitat ist noch nicht freigegeben!!!

Dr. Bert Rauscher, Vorsitzender des Vorstands der Heinz und Gisela Friederichs Stiftung: „Wir haben Herrn Titzka und Ursprung schon 2013 kennengelernt und uns davon überzeugen können, mit welcher Sach- und Fachkenntnis und welchem Engagement die Vermittlung handwerklicher Kenntnisse an Kinder und Jugendliche geschah. Deshalb haben wir schon 2013 und 2015 diese Initiative gefördert.

Wir sind sicher, dass jetzt bei dem neuen Projekt „Hand-in Hand“ wie auch bei Werkraum + wieder erfolgreich gearbeitet werden wird. Deshalb sind wir weiter dabei. Die Förderung der technischen und handwerklichen Aus- und Weiterbildung gehört zu unseren Stiftungszwecken. Da zwei Karosseriebau-Unternehmen zu unserem Stiftungsvermögen gehören, sind wir bei diesem handwerksnahen Vorhaben gern dabei.“

Felix Titzka von URSPRUNG Frankfurt sagte: „Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Michael Wahl haben wir 2013 URSPRUNG gegründet. Unsere Ziele, die wir mit diesem Projekt verwirklichen wollen sind folgende: die Jugend zu fördern, die Generationen zusammenzuführen, die Weitergabe von Technikbegeisterung und die Wahrung handwerklicher Fähigkeiten.

Ursprung vermittelt Jugendlichen Spaß und Neugier am Handwerk. In der Lehrwerkstatt können Jugendliche etwas selbst reparieren oder herstellen. Soweit es möglich ist, nutzen wir keine neuen Materialien, sondern setzen gezielt auf Recycling und Low Budget Baustoffe. So lernen die Jugendlichen, erfolgreich mit einem geringen Budget aber großer Kreativität und handwerklicher Eigenleistung etwas zu produzieren.

Nach der Gründung im Jahr 2013 ging es stetig bergauf für URSPRUNG. Anfang 2014 nahm das Projekt richtig Fahrt auf. Und jetzt- 2016- legt URSPRUNG mit dem Modellprojekt Hand in Hand noch ein/ zwei Gänge zu.

Der Stiftungsallianz und der Handwerkskammer Frankfurt ist es zu verdanken, dass URSPRUNG auch in Zukunft Jugendliche für das Handwerk begeistern wird. Um diese Begeisterung zu wecken gehen wir verschiedene Wege: So gehören zum festen Programm von URSPRUNG neben dem Arbeiten in der Lehrwerkstatt auch Besuche von anderen Werkstätten in der näheren Umgebung. Aktuell arbeiten wir auch dreimal pro Woche in der

offenen Werkstatt des Frankfurter Kunstvereins. Dort haben wir Gelegenheit, mit dem Kunsthandwerker Team von Eric van Hove in der laufenden Ausstellung „Von der Transformation der Dinge“ zu arbeiten. Das ist ein großartiges Erlebnis für alle Beteiligten.

URSPRUNG ist froh und stolz, von der BHF Bank Stiftung, der Crespo Fundation, der Heinz und Gisela Friederichs Stiftung, der ProRegion Stiftung und der Frankfurter Handwerkskammer gefördert zu werden. Vielen, vielen Dank!“

Hintergrundinformationen

URSPRUNG gemeinnützige UG
Ursprung ist eine im Jahr 2013 gegründete gemeinnützige Unternehmergesellschaft, die zunächst in mietfreien Räumen auf dem Atzelberg in Seckbach mit ihrem Werkstattangebot für Jugendliche, auch in Zusammenarbeit mit Regelschulen begonnen hat. Das Angebot wurde begeistert angenommen. Nachdem der Mietvertrag für die Werkstatt am Atzelberg im Sommer 2015 endete, hat URSPRUNG in einem Hinterhof in der Borsigallee zwischen den Stadtteilen Seckbach, Riederwald und Fechenheim eine geeignete Lagerhalle als neuen Werkstattraum angemietet. In einem Umkreis von ca. 4 km befinden sich vier weiterführende Schulen, fünf Grundschulen und vier sogenannte soziale Brennpunkte. Der Standort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit U-Bahn und Buslinien gut zu erreichen.

Der Werkstattraum wurde als Projekt mit Jugendlichen renoviert. Ursprung ist die Basis des Modellprojekts „Hand-in-Hand“. Ursprung ist Mieter der Werkstatträume in der Borsigallee und gewährleistet den Betrieb. Zudem führt Ursprung unmittelbar in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern von „Hand-in-Hand“ die Kursangebote für die InteA-Klassen und für die Gesamtschüler durch und organisiert den Ablauf des Programms.

Werkraum+
Ursprung wird daneben einen für alle Frankfurter offenen Werkraumnachmittag durchführen, an dem Jugendliche ab 12 Jahren unter Anleitung Gelegenheit bekommen, ein Fahrrad zu reparieren, eine Seifenkiste, einen Lautsprecher oder ein Möbelstück, auch aus Altmaterialien bzw. Abfallholz zu bauen und zu konstruieren. Beabsichtigt ist, im Projekt Werkraum+ auch ein offenes Workshop Angebot in Kooperation mit dem Umweltexploratorium e.V. zu integrieren (Teilnahme nach Anmeldung), mit dem zu Themenstellungen konkrete Kenntnisse im Bereich Technik und Umwelt vermittelt werden sollen. Es sollen Kurse veranstaltet werden, in denen Kinder zum Beispiel Brücken bauen, um sie mit den Grundlagen der Statik bekannt zu machen oder sie können erproben, wie man einen 3D-Drucker konstruiert.

InteA-Programm Land Hessen
Berufliche Schulen bieten für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger im Rahmen der Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung verpflichtend Intensivklassen an. Dies ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler, die erst grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache für den Übergang in eine Berufsausbildung oder den Wechsel in einen anderen Bildungsgang erwerben müssen.

Intensivklassen an beruflichen Schulen
• sind ein Angebot für alle Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ab 16 Jahren bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres an beruflichen Schulen,
• vermitteln grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache in Verbindung mit einem beruflichen Fachsprachenerwerb,
• dauern bis zu zwei Jahre,
• sollen flexible Übergänge in andere schulische Bildungsgänge ermöglichen,
• eröffnen Zugänge zur Ausbildungs- und Berufswelt.

TELLUS; Projekt der Crespo Foundation
Im Rahmen von „TELLUS| miteinander lehren – voneinander lernen“ sollen wegen der geringen sozialpädagogischen Betreuungskapazitäten im InteA-Programm in jeder InteA-Klasse jeweils ein Studierender der Sozialen Arbeit und ein Lehramtsstudierender eingesetzt werden, die im Rahmen ihrer jeweiligen Pflichtpraktika ein Schuljahr begleiten und den Jugendlichen sowie den Lehrkräften unterstützend zur Seite stehen. Hierdurch wird nicht nur eine angemessene Betreuung im Unterricht gewährleistet, sondern auch die Vernetzung und Begleitung in außerschulische Angebote.

Alle beteiligten Personengruppen profitieren von dieser Konstellation: Die Jugendlichen erhalten eine bessere schulische und außerschulische Betreuung, die Lehrkräfte bzw. Sozialpädagogen werden entlastet und die Studierenden sammeln wertvolle Erfahrungen, die zudem unmittelbar studien- und berufsrelevant sind. Erfahrungen aus – zum Teilen – vergleichbaren Projekten in Bayern (vgl. www.lehrwerkstatt.org) belegen, dass der Einsatz von Studierenden im Klassenzimmer von den Lehrkräften als enorm bereichernd und entlastend empfunden wird.

Die Studierenden-Tandems sollen eng zusammenarbeiten und konkret in den Bereich des jeweils anderen „hineinschnuppern“, um auf diese Weise ihre professionellen und fachlichen Fertigkeiten zu erweitern. Im Idealfall erhält der angehende Sozialarbeiter so einen Einblick in das pädagogisch-didaktische Feld während der Lehramtsstudent Erfahrungen im sozialpädagogisch/sozialarbeiterischen Bereich sammelt.FR_20150610_oli_print